Von Mitte April bis Anfang September verschwindet Unihockey jeweils fast komplett aus der Öffentlichkeit. Das sind vier lange Monate, in denen – mit Ausnahme von ein paar sommerlichen Cupspielen – der Sport praktisch nur von den Direktbetroffenen wahrgenommen wird. Eine Möglichkeit, das zu ändern, heisst Street Floorball. Unihockey unter freiem Himmel. Wie vor rund 40 Jahren, als der Sport auf Pausenplätzen von Schulhäusern und roten Sportbelägen seine ersten Gehversuche unternahm – kritisch beäugt von Hauswarten, die fürchteten, die Schaufeln könnten den auf Hochglanz polierten Belag ihrer schönen Turnhalle zerstören.

Dem Sprichwort “Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, kommt der Berg zum Propheten” folgend, kann Unihockey mit Street Floorball-Events in Stadtzentren auf sich aufmerksam machen. Das Diamond-League-Meeting von Zürich etwa gastiert schon seit Jahren mit einzelnen Disziplinen am Zürcher Hauptbahnhof und führte dieses Jahr diverse Wettkämpfe auf dem Sechseläutenplatz vor dem Opernhaus durch. Auch swiss unihockey organisierte vor einem Jahrzehnt schon einmal Länderspiele am Zürcher HB – davon inspiriert kursierte in Skandinavien danach die Idee, ein Länderspiel auf einer Fähre zwischen Stockholm und Helsinki auszutragen, was aber nie in die Tat umgesetzt wurde. Dennoch, raus aus den Hallen, hin zu den hochfrequentierten Plätzen des Landes – das sorgt für Schlagzeilen und Medienpräsenz. Mit der dieses Jahr geschaffenen „Mobiliar Street Floorball Tour“ steht so auch ein Instrument zur Verfügung, das als Werbevehikel für die kommende Heim-Weltmeisterschaft dient – und dem Hauptsponsor dieses Events erst noch zusätzliche Präsenz bietet. In Tschechien wurde dies im Vorfeld der WM 2018 in Prag bereits vorexerziert.

Dass einige Vereine die wetterfesten Beläge kostenlos mieten und einige Wochen in ihrer Region betreiben können, ist spannend. Ob das für grossen Zulauf an Unihockey-Neulingen sorgt, vermag ich nicht zu beurteilen, aber auf jeden Fall steht so ein niederschwelliges Angebot zur Verfügung, den Sport einmal auszuprobieren. Und da in vielen Gemeinden des Landes noch immer das archaisch anmutende Prinzip herrscht, Schulhaus-Turnhallen in den Ferien zu schliessen und den Vereinen über Wochen vorzuenthalten, kann Streetfloorball in den Sommermonaten sogar zu einer Alternative für den ordentlichen Trainingsbetrieb in der Halle werden. Selbstverständlich ist es aber für solche Pläne mit einer handvoll mietbaren Plätze nicht getan, dafür wären grosse Investitionen nötig. Persönlich bin ich – auch als Organisator einiger Street Floorball-Turniere zu Beginn dieses Jahrtausends – der Meinung, dass wir uns erst einmal darum kümmern sollten, dass in allen NLA-Hallen des Landes Sportböden Einzug halten und die unzähligen farbigen Linien des Schulsports verschwinden. Die wichtigste Zeit für den Unihockeysport ist immer noch zwischen Anfang September und Mitte April.

Autor

Damian Keller, Chefredakteur und Geschäftsführer unihockey.ch

Keiner kennt die Szene in der Schweiz so gut wie Damian. Seit 20 Jahren versorgt er das grösste Schweizer Unihockeymagazin unihockey.ch online und offline mit den neusten News, den heissesten Stories und den brisantesten Berichten. In den nächsten Monaten haut er nun auch für den WFC 2022-Blog in die Tasten und hält sich nicht zurück.

 

 

 

 

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